Wahlprogramm


Hier findest du unsere siebzehn Punkte für eine bessere, für eine liberale WWU Münster!
Wahlprogramm der Liberalen Hochschulgruppe Münster zur
Wahl des Studierendenparlaments 2016

1.) Digitale Revolution – Willkommen im 21. Jahrhundert

Besonders im englischsprachigen Raum sind Videoübertragungen von Vorlesungen bereits weit verbreitet. Das mit dem Hochschulzukunftsgesetz beschlossene Ende der Anwesenheitspflicht passt nicht zur aktuellen Situation: Wer eine Vorlesung verpasst – ganz gleich aus welchem Grund – der hat ohne digitale Aufrüstung keine Möglichkeit, diese nachzuholen. Die LHG setzt sich deshalb dafür ein, dass Vorlesungen flächendeckend auch im (geschützten) Learnweb als Video angeboten werden. Einige Dozenten unterschiedlicher Fachbereiche gehen dort schon heute mit gutem Beispiel voran. Wir finden: Eine digitale Revolution an der WWU ist überfällig und für ein selbstbestimmtes Studium unerlässlich!

2.) Chaos beenden – Einheitliches Anmeldeverfahren für alle!

Ihr kennt es im Grunde alle. Für jedes eurer Studienfächer gibt es ein eigenes Anmeldeverfahren. Sei es für Tutorien in der Politikwissenschaft oder die Proseminare in der Geschichte. Jeder Fachbereich, teilweise jeder Prof., macht sein eigenes Ding. Das führt zu Verwirrungen, Stundenplanschwierigkeiten und Veranstaltungskollisionen.
Wir setzen uns dafür ein, dass für alle Veranstaltungen ein gleiches Online-Verfahren eingesetzt wird. Nur so können Übersichtlichkeit und Chancengleichheit gewahrt werden. Denkbar wäre eine Implementierung des Umfragesystems im Learnweb oder das SESAM-Verteilverfahren für Seminare in der Politikwissenschaft.

3.) Schwitz‘ beim Sport, nicht bei der Anmeldung!

Die Hochschulsportanmeldung gleicht jedes Jahr wieder einem Glücksspiel. Schlimmer noch: Während es in einer Lotterie fair zugeht, entscheiden beim HSP auch Kriterien wie Internetzugang oder willkürliche Serverschwankungen. Das Problem ist seit Jahren bekannt, geändert hat sich nichts. Die LHG setzt sich vehement dafür ein, dass endlich etwas passiert! Wenn die Kapazitäten einiger Sportarten schon überlastet sind, so fordern wir zumindest einen Anmeldezeitraum anstatt eines festen Zeitpunktes.
Wo wir können, wollen wir durch Aufstockung der Kapazitäten (etwa durch Kooperation mit lokalen Vereinen) Abhilfe schaffen. Wo das nicht geht, soll die Anmeldung zumindest nicht von der Leistungsstärke des heimischen Rechners abhängen. Für ein faires HSP-Anmeldeverfahren!

4.) Längere ULB-Öffnungszeiten!

Viele Studierende finanzieren sich das Studium durch einen Nebenjob, üben ehrenamtliche Aktivitäten aus, oder sind tagsüber durch Vorlesungen ausgelastet. All diesen Studierenden wollen wir die Möglichkeit geben, die ULB zu nutzen, wenn sie Zeit dafür haben. Daher setzen wir uns für längere Öffnungszeiten der Bibliothek ein, gerade abends und am Wochenende. Unser langfristiges Ziel ist die Öffnung der ULB bis Zwei Uhr in den „heißen Phasen“ des Semesters (Klausuren & Hausarbeiten). Damit setzen wir uns für ein wirklich individuelles und selbstbestimmtes Studium ein!

5.) AStA – Service für alle

AStA bedeutet ,,Allgemeiner Studierendenausschuss”. Wir finden: für die Allgemeinheit wird unter dem jetzigen AStA noch viel zu wenig gemacht. Der jetzige AStA gibt viel Geld für ideologische Seminare aus. Er hat sich damit die Umerziehung der Studierenden zum Ziel gesetzt. Wir sagen: Wer die allgemeine Hochschulreife erworben hat, der ist mündig genug, um selbst über sein Leben zu bestimmen.
Die LHG setzt sich deshalb dafür ein, dass die Gelder der Studierenden in Zukunft echten Service-Angeboten zufließen. Mit dem AStA-Bulli oder der AStA-Druckerei gibt es solche Angebote in Teilen bereits, diese können jedoch bisher nicht mit privatwirtschaftlichen Akteuren konkurrieren. Soll unser AStA zum echten Service-AStA für alle Studierenden werden, muss sich das ändern! Wir fordern eine Ausweitung des Angebots, verbunden mit einer stärkeren Finanzierung. Mit der LHG stimmt ihr für einen AStA, der sich als Dienstleister, nicht als Umerzieher versteht!

6.) Mensa-Angebot? Ihr entscheidet!

Es scheint sich unter den politischen Listen als akzeptabel etabliert zu haben, das Programm der Mensen und Bistros von oben herab zu diktieren. Während es den einen gar nicht 
fair-trade, öko und vegan genug sein kann, wollen die anderen jede weitere „Veggisierung“ zulasten des guten alten Schnitzels verhindern. Wir können mit diesen Erziehungsmaßnahmen nichts anfangen. Zu einem freien Studium, zu mündigen Studierenden gehört es doch wohl, dass alle selbst darüber entscheiden, was sie essen wollen. Daher kann die Frage nach mehr oder weniger veganem Essen sinnvoll auch nur von der Studierendenschaft beantwortet werden.
Wir fordern deshalb, das Angebot der Mensen und Bistros streng an der tatsächlichen Nachfrage auszurichten und besondere Essgewohnheiten exakt in dem Maße zu berücksichtigen, in dem sie unter den Studierenden auch wirklich vorhanden sind. Dieses Angebot muss kontinuierlich überprüft und immer wieder angepasst werden. Wir sagen: Iss, was Du willst – und lass es Dir nicht von jemand anderem diktieren.

7.) Mehr Interdisziplinarität wagen – für ein Studium Generale!

Die Studienordnung eines Studienganges kann ermöglichen, dass eine bestimmte Anzahl an ECTS-Punkten in einem fachfremden Modul erbracht werden sollen. Nach dem ‚liberal arts education‘-Modell können mehrere Studienfächer miteinander kombiniert werden. So ist es dann möglich, während des Bachelorstudiums beispielsweise sowohl Wirtschaftswissenschaften als auch Kunstgeschichte und Humanmedizin zu studieren und anschließend bei entsprechender Anzahl von Leistungspunkten in VWL einen Masterplatz zu erhalten. Durch diesen Fokus auf Interdisziplinarität wollen wir ein selbstbestimmtes Studium und den Blick über den Tellerrand fördern.
Daneben machen wir uns auch für die Einführung eines über zwei Semester gehenden Studium Generale stark, wie es heute bereits etwa an der Universität Tübingen angeboten wird. Dieses Studium der Allgemeinbildung soll angehenden Studierenden bei der Studienfachwahl helfen und als Orientierung dienen, um Abbrecherquoten in allen Fächern zu reduzieren und eine bessere Allgemeinbildung zu gewährleisten.

8.) Faktische Anwesenheitspflicht beenden!

Mit dem Hochschulzukunftsgesetz sind die Anwesenheitspflichten an Hochschulen in NRW abgeschafft worden. Die Liberale Hochschulgruppe setzt sich dafür ein, dass diese Abschaffung nun auch konsequent umgesetzt wird. Wir werden dafür Sorge tragen, dass auch die letzte Fakultät und der letzte Professor auf diese erzieherische Maßnahme verzichten.

9.) HSP-Bewertung offenlegen, mehr Transparenz wagen

Ähnlich wie es Usus ist, Vorlesungen und Seminare gegen Ende der Vorlesungszeit zu evaluieren, gibt es diese Möglichkeit auch beim Hochschulsport. Aus unerfindlichen Gründen ist es bisher für Interessierte am HSP-Angebot jedoch nicht möglich, diese Bewertung des Angebotes einzusehen. Wir fordern, dass sich dies ändert. Durch eine erhöhte Transparenz im HSP-Angebot könnte so manche Enttäuschung ob schlechter Verantwortlicher oder anders erwarteter Inhalte verhindert werden. Deshalb fordert die LHG: Mehr Transparenz wagen!

10.) Mehr Geld für studentische Initiativen

An Der WWU gibt es zahlreiche studentische Initiativen. Von Studierenden unserer Universität geführt, bieten diese ein breites Spektrum an Möglichkeiten, sich zu engagieren und an Angeboten, von denen wir alle profitieren können. Über Seminare zur Verbesserung von Soft-Skills, Einblicken in den Arbeitsmarkt, bis hin zu Anstrengungen, die Bildung in ärmeren Teilen der Welt zu verbessern.
 Diese Liste ließe sich problemlos fortführen, unser Punkt ist jedoch: Studentische Initiativen setzen unser Geld zielgerichteter, sinnvoller und auch transparenter zum Vorteil der Studierendenschaft ein, als das die vielen autonomen Referate können, die der Verfassten Studierendenschaft keinerlei Rechenschaft schulden. Bis diese Referate sich nicht öffnen und reformiert werden, fordern wir daher: Mehr Geld für freiwillige Initiativen und weniger für undurchsichtige autonome Referate!

11.) Gegen den Trend: AStA-Beitrag kürzen

Der AStA macht zu viele Dinge, die nicht der Allgemeinheit der Studierendenschaft dienen. Das reicht von linken Seminarreihen bis zu Marxlesekreisen. Zu viele Referate, die ohne wirkliche demokratische Kontrolle das Geld der Studierenden ausgeben. Wenige Studierende die auf Kosten vieler Seminarreihen besuchen, die komplett von der Studierendenschaft finanziert werden.
Das ist für uns keine verantwortungsvolle Politik. Mit dem Geld der Studierenden ist verantwortungsbewusst umzugehen. Wir wollen Seminare streichen, Allgemeinpolitik eingrenzen, Referate kostensparend reformieren.
Unser Ziel bei all diesen Maßnahmen ist es, den AStA-Kernbeitrag um bis zu 50% zu senken. Wir sind zuversichtlich, so einiges Geld einsparen zu können, für das Ihr sicherlich eine bessere Anlage kennt; zum Beispiel Bier.

12.) Referate reformieren – für mehr Transparenz!

Ein Gutteil des jährlichen AStA-Haushalts wird in Referate gesteckt. Dabei gibt es neben den AStA-Referaten – etwa für Finanzen oder Hochschulpolitik – auch sogenannte autonome Referate. Diese sind weder dem AStA noch der Studierendenschaft Rechenschaft schuldig. Sie erhalten große Summen und können mit diesen nach Belieben verfahren. Die LHG hält das für falsch. Wer das Geld der Studierendenschaft erhält, schuldet uns Studierenden zumindest Rechenschaft. Wir fordern daher, dass die autonomen Referate transparenter werden und über ihre Ausgaben Auskunft geben. Zusätzlich setzen wir uns dafür ein, dass Referate angepasst und zusammengelegt werden, wo es Sinn ergibt. Was spricht etwa dagegen, das Schwulen- und das Lesbenreferat zu einem LGBTI*- Referat zusammenzulegen? Auch die einseitige Ausrichtung des Frauenreferats kritisieren wir. Ein Gleichberechtigungsreferat erscheint uns für eine freie Universität weitaus angemessener.

13.) Freiheit ermöglichen – Austritt aus der verfassten Studierendenschaft

Die verfasste Studierendenschaft ist ein Zwangsinstrument, das viele Studenten nicht repräsentiert und mit dem viele nichts zu tun haben möchten. Für uns als Liberale ist die Wahlfreiheit ein hohes Gut. Wir setzen uns daher dafür ein, dass es an der Westfälischen Wilhelms-Universität möglich wird, aus der verfassten Studierendenschaft auszutreten. Dabei verzichtet man nicht nur auf den AStA-Beitrag, sondern auf sämtliche Angebote, die durch den AStA-Beitrag von 12,14€ abgedeckt werden. Das betrifft insbesondere auch die Teilnahme an den studentischen Wahlen.
Für uns ist dies ein Schritt in Richtung Freiheit. Wir möchten nicht, dass Ihr für Dinge bezahlt, die Ihr weder braucht noch möchtet.

14.) Semesterbeitrag individuell gestalten!

Wir setzen uns auch weiterhin unermüdlich dafür ein, dass ihr euer Studium nach euren eigenen Bedürfnissen gestalten könnt. Deshalb kämpft die LHG auch dieses Jahr für einen individualisierbaren Semesterbeitrag. Dieser soll beispielsweise die Möglichkeit enthalten, das eigene Studium durch einen geringen Aufpreis CO2-Neutral zu gestalten. Deshalb werden wir im nächsten Studierendenparlament die Bildung eines ehrenamtlichen Ausschusses beantragen, der sich mit der Umsetzbarkeit dieser Vorschläge beschäftigen soll und ggf. einen Multiple-Choice-Katalog aufstellt, mit dem ihr euer Studium noch individueller und euren eigenen Wünschen entsprechend gestalten könnt!

15.) Mehr Forschung und Praxis ab dem 1. Semester

Die Einheit von Forschung und Lehre ist Teil des Bildungsideals der Liberalen Hochschulgruppen. Forschung & Lehre bedingen einander. Das eine ergibt ohne das andere keinen Sinn. Dabei ist wichtig, dass die Hochschule insgesamt die Einheit von Forschung und Lehre wahrt – jedoch nicht bei jeder einzelnen wissenschaftlichen Stelle. Der Zwang jedes Dozenten zu Lehre und Forschung ist nicht mehr zeitgemäß und verschwendet viele Ressourcen. Ein schlechter Dozent ist in der Lehre für die Studierenden eine Belastung, kann jedoch durch exzellente Forschung den Studierenden im Studium viele Möglichkeiten bieten. Von einem solchen Verhältnis profitieren alle Akteure.
Außerdem wollen wir, dort wo es Sinn ergibt, den Studierenden schon früher als bisher den Einblick in die Forschung oder Praxis ihres Studienfachs ermöglichen. Für ein Praxisnahes Studium und eine bessere Verzahnung von Forschung und Studium!

16.) WWU-Umbenennung? Nein danke!

Wir konnten in den letzten Jahren (und können weiterhin) mitverfolgen, wie teuer die Umbenennung des „Studentenwerks“ in „Studierendenwerk“ war. Ein Vielfaches dieser Kosten wird auf uns zukommen, wenn jetzt auch die WWU umbenannt wird. Es gibt bisher nicht einmal einen ausgereiften alternativen Namensvorschlag. Auch der Prestigeverlust im In- und Ausland spricht gegen die Umbenennung. Wir wehren uns gegen den Vorwurf, der Name unserer Universität würde die Taten Wilhelms II. glorifizieren. Der Name der Westfälischen Wilhelms-Universität bringt lediglich zum Ausdruck, was sich geschichtlich nicht leugnen lässt: Die Universität verdankt ihren Stand dem letzten deutschen Kaiser.
 Die LHG unterstützt einen kritischen Umgang mit der Person Wilhelms, doch wir stemmen uns gegen ein ideologiegeladenes Umbenennungsprojekt, dessen Kosten letztlich (auch) von der Studierendenschaft getragen werden. Umbenennung? Nein, danke.

17.) Fairer, kritischer Umgang mit Verbindungen – ohne Propaganda

Als liberale Hochschulgruppe setzen wir uns für einen differenzierten Umgang mit Studentenverbindungen ein. Kritik bedeutet für uns nicht das Zurückweisen einer Sache, sondern die detaillierte Auseinandersetzung mit dieser. Die vielen Verdienste um studentische Mitbestimmung und Partizipation in ihrer langen Geschichte sollten genauso erwähnt werden, wie die vielen Kritikpunkte, die heute gegen Studentenverbindungen bestehen. Das Verbindungswesen muss in seiner ganzen Bandbreite und als ein Teil des universitären Lebens betrachtet werden. All dies tut der AStA nicht, wenn mit Postkartenmotiven wie „Kein Sex mit Burschis“ dumpfe Propaganda betrieben wird. Wer sich gleichzeitig mit Toleranz brüstet und Verbindungen unsachlich verunglimpft, der sollte sich hinterfragen. Die LHG fordert: Differenzierter Umgang mit Verbindungen anstatt ideologischer Hetze!